Robert Normann
(27.06.1916 - 20.05.1998)

Einer der größten Jazzmusiker Europas aller Zeiten!
Aus Østfold kommt die traurige Nachricht, dass der Gitarrist Robert Normann im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Ein Mensch stirbt, und "ganze Komplexe versinken im Meer", schrieb der Dichter Olaf Bull. Normann ist tot und ein komplettes musikalisches Universum verschwindet. Normann war eine Legende, weit über Norwegens Grenzen hinaus. Django Reinhardt war einer von denen, die aus Normanns Spiel das Genie heraushörten. "Warum soll ich euch besuchen? Ihr habt doch Robert Normann", sagte Reinhardt einmal. Normanns Karriere war ab den 30er-Jahren von einem ruhelosen Wandern von Band zu Band, von Engagement zu Engagement geprägt. Aber selbst die hartnäckigsten Aufforderungen, "Tanzmusik" zu spielen, konnten Normann nicht daran hindern, sich zu einem einzigartigen Jazzmusiker zu entwickeln, zu einem Musiker von Weltformat, dessen gesammelte Werke auf fünf fabelhaften CDs mit nahezu allen seinen Aufnahmen verewigt worden sind. Diese sollten eigentlich in Leder eingebunden sein.
Nachruf: Fredrik Wandrup, Juni 1998
Er hat sein eigenes Museum erhalten und wird international als einer der wirklichen Gitarrenpioniere der Jazzwelt geehrt. Den größten Teil seines Lebens lebte er isoliert und zurückgezogen, und er scheute die Presse. Knut Borge nannte ihn die Greta Garbo des Jazz, aber wer war eigentlich dieses am besten gehütete Geheimnis des norwegischen Jazz?
Wie Robert Uno Normann selbst behauptete, nahm er die Musik bereits mit der Muttermilch auf. Seine frühesten Kindheitserinnerungen sind mit dem positiven Erlebnis des gemeinsamen Musizierens im Elternhaus verbunden. Alle spielten ein Instrument und nach einem Arbeitstag gehörte "Donauwellen" zum obligatorischen Auftakt vor dem abendlichen Konzert mit Akkordeon, Mandoline und Gitarre. Robert stand hinter der angelehnten Tür und lauschte, bis er eines Tages alt genug war, um ebenfalls mitspielen zu dürfen.
Sein Vater (1) und Großvater arbeiteten in den Nickelwerken im weit entfernten Petersburg des Zaren. Sonntags versammelten sich dort die russischen Arbeiter und spielten Musik und sangen. Daher klangen oftmals wehmütige russische Mollakkorde aus dem Elternhaus in Sundløkka bei Borge in der Nähe von Sarpsborg. Robert Normann brachte sich das Gitarre spielen selbst bei. Später auch das Akkordeon und das Tenorsaxofon.
Seine erste Begegnung mit dem Jazz war eine Klarinette im Radio. Dies geschah rund 1926, in der Kindheit der Radiogeschichte, denn erst im Jahr zuvor waren die ersten Radiosendungen in Oslo in privater Regie ausgestrahlt worden. Das Studio befand sich in der Klavierfabrik Brødrene Hals in der Klingenberggaten. Im gleichen Jahr starb Roberts Mutter und der Vater musste sich allein um die vier Kinder kümmern (2). Bereits zwei Jahre später arbeitete Robert zusammen mit dem Akkordeonspieler Sverre Samuelsen an der Zusammenstellung eines größeren, gemischten Foxtrott- und Jazz-Repertoires. Sechzig Jahre später meinte er, dass "auf dem Akkordeon niemals besserer Jazz gespielt worden ist". Die ersten Engagements als Musiker sorgten sicherlich für eine willkommene Aufstockung seines Taschengelds, aber das Zinkwerk, der Arbeitsplatz des allein ernährenden Vaters 1928 seine Tore schloss, wurde die Lage ernst. Nun begann Robert Uno Normanns professionelle Karriere. Der Traum von einer Ausbildung zum Mechaniker musste einer bezahlten Tätigkeit weichen - eine zwingende Notwendigkeit, um der Familie aus ihrer schwierigen Lage zu helfen. Für Robert war es klar: Er musste sein Geld mit der Musik verdienen. Im Alter von zwölf Jahren und mit einer Gitarre, einer natürlichen Neigung zum russischen Zigeunermoll und einer wachsenden Neugier auf Jazz begann somit Roberts ruheloses Dasein. Eine bemerkenswerte biografische Parallele zu einem anderen großen Gitarristen, der im gleichen Jahr seine erste Platte einspielte - Django Reinhardt.
Die erste Station in seinem Vagabundenleben ist Moss, und Robert kann stolz mit Bargeld aus der großen Welt nach Hause zurückkehren, und mit einem neuen Wort: Er hat gelernt, "siehste wohl" betont frech und dreist zu sagen. In den folgenden Jahren wird das Duo Sverre Samuelsen und Robert Normann mit Sverre Selmer Johansen am Schlagzeug erweitert, und trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Flaute in Norwegen erleben die drei jungen Tanzmusiker das Gegenteil. Sie haben genügend Aufträge, ihr Repertoire besteht hauptsächlich aus einfacher Unterhaltungsmusik.
Nachdem Robert den Akkordeonvirtuosen und Vagabund Willy Eriksen kennen gelernt hat und dessen Leben ihm wesentlich mehr zusagt, brechen sie auf und widmen sich nun ganz dem freien Leben als Vagabunden. Sie können ohne Zweifel genug als Straßenmusiker verdienen, leben dabei aber auch recht anspruchslos. Welche Maßstäbe damals galten, wird deutlich, wenn man hört, dass sie sich auf einen 250 km langen Fußmarsch als Musiker in Richtung Risør aufmachten, weil dort laut Gerücht "Erbsensuppe für nur 15 Öre pro Teller" serviert wurde, obwohl "die so dick ist, dass der Löffel drin steht!" Sie reisten kreuzt und quer durch das ganze Land und lernten überall Musikanten und anderes fahrendes Volk kennen. Musik war noch immer nicht alltäglich, und so wurden sie fast ausnahmslos überall freundlich empfangen. Es gibt jedoch einen Zeitungsausschnitt aus jener Zeit, in dem von zwei minderjährigen Landstreichern erzählt wird, die aus dem Arrest in Bodø nach Hause geschickt wurden. Robert Normann erinnerte sich an diese Zeit als eine besonders gute Zeit. Voller Eindrücke und Impulse für einen Mann mit Freiheitsdrang und Entdeckungsfreude. Sie spielten bei ihrer Wanderung.
Ab Mitte der 30-er Jahre ist das Ziel immer häufiger Oslo. Die von der Sonne gebräunten Musikanten haben nun ein interessantes Repertoire mit unter anderem semiklassischen Bravadestücken der Akkordeonkönige Roberto Deiro und Pietro Frosini. Drei, vier Jahre leben Robert Normann und Willy Eriksen, teilweise zusammen mit dem Gitarristen Hans Larsen, nun vor allem in der Hauptstadt als Hinterhof- und Straßenmusikanten. Eine willkommene Abwechslung im Stadtbild, und fast nicht glaubhaft ein relativ einbringendes Geschäft in den unsicheren 30er-Jahren.
Nach ihrer ersten Radiosendung, unter der Regie von Leif Rustad im neu eröffneten NRK (1933) in der Klingenberggaten, waren sie sich einig, dass dies eine Zeitverschwendung war: Ihre übliche Stadtrunde brachte ihnen dreimal so viel ein! Die Replik des Gitarristen Hans Larsen während einer der damals seltenen, in einem Lokal stattfindenden Engagements sagt eigentlich alles: "Sollen wir hier sitzen und Geld verlieren?"
Robert betrachtete die schwierigsten Akkordeonstücke als eine Herausforderung und lernte sie auf der Gitarre. Nachdem auf der Gitarre technische Dinge kein Problem mehr darstellten, begann er die Stücke ein wenig zu "verzieren". Anfangs kleine Verbesserungen und Ornamente rund um eine Melodie, und allmählich längere Partien mit Improvisationen. "Wir versuchten irgendwie selbst was zu schaffen", erzählte Robert. Das Repertoire wurde mit Filmmusik, Schlagern und Jazz ergänzt. Das Gerücht von dem dünnen Gitarristen, der rings herum auf den Hinterhöfen spielt, verbreitete sich schnell.
Viele rechnen sich zur Ehre an, Robert Normann entdeckt zu haben, dabei fand er auf eigene Faust auf eine Einladung des Gitarristen Finn Westbye hin den Weg in die Sisseners Bar in Oslo. Dort spielen Westbye og Funny Boys, die beste Jazzband der Stadt. Westbye hatte bereits 1934 Django Reinhardt in Paris getroffen und arbeitete nun zeitweise im Musikgeschäft Carl M. Iversen in der Youngsgate, das auch als Plattenstudio diente. Nachdem sie sich kennen gelernt hatten, begannen Robert und Finn Westbye nach Ladenschluss dort zu spielen.
Gleichzeitig zog Fritjof Linnaae, der bei seiner spanischen Mutter in Spanien aufgewachsen war, nach Norwegen. Als echter Dandy nahm er den Künstlernamen Freddie Valier an. Der Versuch, ein norwegisches Streichensemble à la Django Reinhardt und Quintette du Hot Club de France auf die Beine zu stellen, war seine Idee. Im Winter 1937/38 wurde Freddie Valiers String Swing ins Leben gerufen; Freddie Valier (Gitarre und Gesang), Robert Normann und Stein Musum (etwas später Finn Westbye, Gitarren), Arild Iversen (Geige) und Fredrik Lange-Nielsen (Bass). Am 5. Dezember 1938 ging die Band, mit der Sängerin Betty Moe als Verstärkung, ins Studio und nahm vier Stücke auf - die ersten bewussten Jazzaufnahmen Norwegens.
Am 8. Februar 1939 kamen Django Reinhardt und QHCF nach Norwegen und gaben zwei Konzerte in der Alten Loge in Oslo. Das ehrwürdige Lokal war bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft, und das Publikum war begeistert. Sogar die wegen ihrer gnadenlosen Verrisse berüchtigte Musikkritikerin Pauline Hall lobte das Orchester wegen seiner gepflegten Musik. Django wurde als Meister auf seinem Instrument hervorgehoben, doch sie wundert sich, warum sich der Geiger Stephane Grapelli zu "einem derart geigenfeindlichen Glissando-Gemauze herablassen" konnte! Die gesamte String Swing-Besetzung saß in der ersten Reihe.
Der 21-jährige Robert Normann meinte, dass Django da saß und ihn anstarrte, während er spielte. In der Pause holte Finn Westbye den Rest der Band in das Hinterzimmer und stellte seinen jetzigen Musikerkollegen seinen Pariser Freund vor, den er fünf Jahre zuvor kennen gelernt hatte. Robert erinnerte sich- viele Jahre später: "Danach war es besser - bei der nächsten Spielrunde hörte ich, was er da spielte!" Hinter den Kulissen ist es nach dem Konzert Django, der eine Überraschung erlebt. Robert bekommt die legendäre Maccaferry-Gitarre überreicht und spielt einige improvisierte Solostücke. Nachdem er kurz zugehört hat, grinst der dünnbärtige Django breit und platzt heraus: "Warum soll ich euch besuchen? Ihr habt doch Robert Normann ..." Aber, wie Robert sagte: "Keiner von uns konnte ja ein Wort Französisch ..."
Einen Monat später hatte Freddie Valiers String Swing eine neue Studiosession, wonach der Kapellmeister aufhörte, um sich ganz dem Gesang zu widmen. Wahrscheinlich war er der Einzige in der Gruppe, der den Impulsen des französischen Jazz Manouche folgte. Danach leitete Robert eine Weile die Band unter dem Namen String Swing, später, als alle Namen Norwegisch sein mussten, unter Robert Normanns Strengekvartett.
Außerhalb von Norwegen war nun der Krieg ausgebrochen, und an einem anderen Ort der Erdkugel brachte ein anderer Gitarrist die Jazzgeschichte auf eine neue Spur: Charlie Christian.
Man kann sich fragen, wo der elegante Stil damals herkam, den Robert Normann in seinen Improvisationen entwickelte. Ohne besondere Spuren von Django, vor Charlie Christian, und mit einer wesentlich moderneren Interpretation als Eddie Lang. Der Jazzforscher Johs Bergh deutet an, dass Robert "in seiner Umgebung" einen eigenen Stil entwickelte, auf die gleiche Weise wie es Charlie Christian in den USA machte, und Oscar Alemán in Argentinien, nämlich, indem er in erster Linie anderen hervorragenden Musikern auf anderen Instrumenten zuhörte. Es wirkt so, als wenn die Saxofonisten Leon "Chu" Berry und Coleman Hawkins für Robert Normann das waren, was Lester Young für Charlie Christian war.
Im Herbst 1939, nachdem er im Orchestergraben während einer Bernau-Vorstellung von Det Nye Teatret gesessen hatte, nahm Robert den Platz des Gitarristen Sverre Jensen in The Hot Kiddies ein. Die Band wechselte kurz danach den Namen und hieß fortan Kapellmester og Pianist Gunnar Dues Kvartett. Sie treten als feste Hausband im Lido auf - heute Restaurant Larsen im Stadtteil Majorstuen. Sechs Tage pro Woche bei Kriegsbeginn, danach gibt es allmählich Einschränkungen, und für Robert beginnt eine neue Periode als Freiberufler. Als die Swingmusik 1941 in Norwegen ihren Höhepunkt erreicht, ist er einer der führenden Figuren in der Jazzwelt der Stadt.
Ungefähr gleichzeitig trat überall in der Welt die elektrisch verstärkte Gitarre ihren Triumphzug an. Robert Normann baute aus gestohlenen Telefonmagneten, Kupferdraht, Pech und einer kleinen Holzplatte sein erstes elektrisches Mikrofon. Das Ergebnis war verblüffend und kann bei der Aufnahme mit der All-Star-Band Syv Muntre von 1942/43 gehört werden. Der technisch interessierte Gitarrist griff alle Neuheiten auf und entwickelte sich rasch in neue Richtungen. Gleichzeitig nahm er Engagements im Löwenbräu in der Klingenberggaten in Oslo an und wurde mehr und mehr zum Alkoholiker. In diesem Zeitraum kamen auch die beiden Kindern Robert Jr. (geb. 1943) und Edgar (geb. 1946) zur Welt, und Robert Normann war danach ein schillernder Vogel im Jazzbereich. Er lebte turbulent, und mehrere behaupteten, dass sie nach einer Schlägerei, bei der Robert seinen berüchtigten Kopfstoß benutzt hatte, ihre Zähne aus seiner Stirn ziehen mussten. Ebenso gibt es zahlreiche Geschichten über gesellige Darbietungen von ansonsten versteckten Körperteilen, mit und ohne rote Fliege, und kaum ein anderes Organ in der norwegischen Jazzwelt ist wohl ausführlicher diskutiert und zu einem Mythos geworden.
Nach dem Krieg folgten zwei Jahrzehnte mit Radio-, Theater- und Kabarettarbeit und Engagements in Restaurants. Ein Jahr am Karl Johan Revyteater, mehrere Jahre am Edderkoppen, am Chat Noir, im Restaurant Dronningen usw. Robert Normann war ein begehrter Begleiter, der selbst die kleinsten Ideen der Solisten weiterverfolgte. Svend Asmussen und andere bekannte Orchesterleiter versuchten vergeblich, Robert zu gewinnen, aber er wollte lieber seinem eigenen Tempo folgen, Aal von seinem Hausboot aus in der Bucht Frognerkilen angeln, komponieren und ein freier Mann sein.
Das Radiohaus im Stadtteil Marienlyst stand 1950 fertig da, und das Sonntagsprogramm "Søndagsposten" von Roberts Zechbruder Otto Nilsen wurde allmählich ein wichtiger Auftraggeber. Aus jener Zeit sind mehrere Aufnahmen erhalten geblieben. Hier wimmelt es nur so von verschiedenen Künstlern, zu denen auch der Dichter Alf Prøysen gehört, für den Robert komponierte. Eine ungeklärte Frage ist auch, ob nicht zahlreiche der so genannten "Taterlieder", Lieder norwegischer Landfahrer, die Alf Prøysen für seine Texte verwendete, von Robert geliefert und arrangiert worden waren. Robert kannte dieses Repertoire ja aus seiner Zeit als Vagabund - zeitweise zusammen mit Landfahrern.
Sigbjørn Bernhoft Osa, Virtuose auf der Hardangerfiedel, und Robert schlossen ebenfalls eine lebenslange Freundschaft, und Osas reichhaltiges Repertoire prägte Roberts Spielweise nachhaltig. Im "Søndagsposten" konnte er auch auf verschiedenste Weise mit mehrspurigen Bandaufnahmen und Trick-Aufnahmen experimentieren. Robert verfolgte genaustens Les Pauls Ergebnisse im gleichen Bereich, aber bereits nach kurzer Zeit bot ihm die reine Technik keine weiteren Anregungen mehr. Robert widmete sich nun wieder der Gitarre und integrierte die mehrstimmigen Klänge und Basslagen der Trick-Aufnahmen in seine neue, einmalige Spielweise, bei der das Arrangement das Hauptelement ausmachte. Oberflächlich betrachtet ist dieser Stil mit dem durcharrangierten Stil des zeitgenössischen George Van Eps verwandt, wobei Robert Normanns Kolorit jedoch vollständig anders ist.
Nach 1959 verschwindet Robert sozusagen vollständig aus der reinen Jazzwelt. Stattdessen nimmt er unter anderen Namen an unzähligen Plattenaufnahmen teil, wobei er größtenteils bescheiden im Hintergrund den Rhythmus schlägt. Er nennt sich selbst Reparateur - jemand, der bei Problemen im Studio angerufen wird. Zu Studioleiter Arne Bendiksen kommt er mit doppelten Honorarforderungen, nachdem er "die Arbeit aller anderen noch einmal machte". Bei der in den letzten Jahren vorgenommenen gründlichen Suche nach Aufnahmen mit Robert Normann wurden auch zahlreiche Einspielungen in unseren nordischen Nachbarländern entdeckt. In Dänemark wurde Roberts Melodi (tittel) ein Schlager, der noch immer in Danmarks Radio gespielt wird und der norwegischen Verwertungsgesellschaft TONO Tantiemen einbringt. Vielleicht erklärt dies teilweise das Mysterium, warum in Roberts Nachlass ein Bankkonto mit mehr als einer Million Kronen gefunden wurde? Während dem mittellosen, nur von einer Grundrente lebenden Ehepaar kaum das Geld für die Wurst auf dem Brot blieb.
1960 wurden die ersten festen Fernsehsendungen ausgestrahlt, und von Anfang an spielte Erik Bye und sein Kapellmeister Willy Andresen eine bedeutende Rolle. Robert war oft Gitarrist in der Band und leistete ausgezeichnete Arbeit, aber er hatte Probleme, als er sich in eigener Person auf dem Bildschirm in diesem neuen Medium zeigen sollte. Robert geriet vollständig in Panik und weigerte sich aufzutreten, als er in einer Direktsendung vor dem Auftritt mit einem Solostück von Erik Bye interviewt werden sollte. In aller Eile fand man eine Lösung und stellte eine spanische Wand vor dem Gitarristen auf. Als Robert Normann dann spielte, bekamen die Zuschauer nur diese Wand zu sehen.
Robert Normann war Perfektionist. Alle Dinge, mit denen er sich beschäftigte, musste er auf seine Weise machen, und gründlich. Dies gilt auch für sein Verhältnis zum Alkohol. In den ersten 25 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die Sauferei die Hauptrolle in seinem Leben. Wie er selbst sagte, kreiste sein Dasein um dieses Gift, und er erzählte, dass er nur überlebte, weil er "am Freitag reichlich zugriff". In Musikerkreisen war die mitgebrachte Flasche des Gitarristen zu einer Legende geworden, mit aufgemalten Strichen für jede ganze Stunde, um zu vermeiden, ohne Alkohol dazustehen. Trotz seines anhaltenden, enormen Alkoholmissbrauchs konnte er erstaunlicherweise seine beruflichen Verpflichtungen erfüllen. Im privaten Bereich bezahlte er jedoch einen hohen Preis: die Kinder im Kinderheim und in den eigenen Wänden ständig Gewalt. Es ist von Messerstechereien die Rede, und in der Schublade lag ein abnehmbarer Gips für jeden neuen Armbruch.
Dagegen hören wir nirgends, dass Robert bei seiner Musik jemals nur halbe Arbeit geleistet hätte, wie viele andere Süchtige, über die es ein dunkles Kapitel in der norwegischen Jazzgeschichte gibt. Erklärt werden kann dies möglicherweise damit, dass Robert seine Aufgaben mit Umsicht wählte und in langen Zeitabschnitten wenig Ambitionen hatte. In derartigen Perioden gab es also keine anspruchsvollen Soloaufgaben oder Jazz, aber 100 Vorstellungen mit Banjo und Gitarre in der Kindervorstellung "Hakkebakkeskogen" unter der Leitung von Torbjørn Egner waren auch eine große Anstrengung. Ein weiterer Grund kann sein, dass Robert bereits ab Anfang der 60er-Jahre zeitweise mit Hilfe von Antabus versuchte, mit dem Trinken aufzuhören. Trotzdem bleibt es ein Mirakel, wie Robert Normann es geschafft hat, sich in diesen chaotischen Jahren als ausgeprägter Alkoholiker über Wasser zu halten und dabei seine Ehre zu bewahren.
Ende der 60er-Jahre kehrt Robert dem Leben in Oslo den Rücken zu und zieht nach und nach auf das Gehöft Hauglund Østre in Kvastebyen in der Nähe von Skjeberg im Bezirk Østfold. Hier beginnt für ihn ein neues Leben, ohne Alkohol und größtenteils als Selbstversorger. Hier blüht der Kleinbauer, Erfinder, Drechsler und Mechaniker Robert Normann auf. Kristian Salater, Bassist und in der Notenbibliothek im NRK tätig, hatte seine Hütte in der Nachbarschaft und wurde einer der wirklichen Freunde Roberts. Das Dach des kleinen, baufälligen Hauses war eingesunken und auch sonst war viel zu tun. Zusammen mit dem kleinen Grundstück wurde es daher für nur 30 000 Kronen Roberts Eigentum. Es folgten mühselige Restaurationsarbeiten und jahrelanges Roden der Erde. Robert Normann als Kleinbauer und Erfinder ist wirklich ein Kapitel für sich.
Kurz danach wird er als musikalischer Leiter am Riksteatret angestellt, eine Stelle mit einer merkwürdigen Mischung aus klassischer Disziplin und freiem Vagabundenleben. Beide Dinge sind wohl wesentlich für Robert. Die Begrenzungen der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik frustrieren ihn und er sehnt sich danach, größere musikalische Formen aufgreifen zu können. Er komponiert ein Orchesterwerk und schreibt ausgezeichnete Musik zu zahlreichen Theaterstücken und einigen Filmen. Er träumt außerdem davon, ein Konzert für Gitarre und großes Orchester zu komponieren, ein Traum, der leider nie in Erfüllung geht.
Stattdessen gibt es mehrere glänzende Aufnahmen in den flüchtigen Medien des Rundfunks. Hier kann sich Roberts reifer persönlicher Jazzstil - halb Jazz und halb klassische Musik - voll entfalten. Zu den besten Aufnahmen gehören einige Melodien, die 1971 als Pausenfüller für das Schwarzweißfernsehen gespielt wurden, als Alternative zu den Aufnahmen mit den Fischen. Drei Jahre später begann das NRK Probesendungen in Farbe, und bei den ersten Sendungen gab es erneut Pausenmusik von Robert Normann.
In den 70er-Jahren gibt der Jazzforscher Jan Evensmo eine Solografie über Roberts bekannte Jazzeinspielungen heraus. Hierbei sieht man Robert Normann zum ersten Mal in einem analytischen Zusammenhang mit Oscar Alemán und Charlie Christian.
Einige Jahre später hatte das NRK Roberts Pausenmusik im Fernsehen mit der Band Hot Club de Norvège ausgetauscht, und Per Frydenlund und der Unterzeichner wagten, zu Hause bei dem alternden Meister anzuklopfen. Robert Normann öffnete die Tür, sah uns kurz an und rief dann nach hinten: "Gunvor, hier sind die Kerle, die uns im Fernsehen so verdammt nerven!" Aber der Guru war großmütig und bat uns zu einer unvergesslichen Jam-Session ins Haus. Dies war der Beginn einer Zusammenarbeit, die im Januar 1989 unter anderem zur erneuten Veröffentlichung der gesammelten Jazzaufnahmen Robert Normanns auf 4 CDs führte.
Hellauf begeistert vom Plattenerfolg ließ sich Robert Normann im Mai desselben Jahres zu einem Treffen mit den alten Kameraden in einem Lokalfunkstudio überreden. Das Ergebnis sind fünf weitere Einspielungen, mit einer lyrischen Ausdruckskraft, die in der norwegischen Gitarrengeschichte einmalig ist.
In den 90-er Jahren interessiert sich der samische Gitarrist Anders Somby für Robert Normann und nimmt sich vor, den "Code" von Robert Normanns unerklärliche Spielweise zu "knacken". Nach jahrelangen eingehenden Studien wird das Ergebnis in einem Buch (3) vorgestellt, in dem die meisten Aufnahmen als Partitur aufgeschrieben sind.
Als 75-Jähriger macht sich Robert Normann daran, ein neues musikalisches Feuilleton zu komponieren. Sein alter Freund, der Bassist Håkon Nilsen, ist tot. Robert baut daher eine Gitarre, mit der er die Bassstimmen selbst schlagen kann. Der Titel ist "Sju stubbær for én gitar og trommer" (Sieben kurze Stücke für eine Gitarre und Schlagzeug). Im Jahr danach wird das Werk im Studio des Lokalradios aufgenommen. Es tauchen Elemente aus allen seinen musikalischen Erfahrungen auf. So hört man unter anderem wie ein Echo aus der Kindheit in Sundløkka deutlich "die wehmütigen russischen Mollakkorde". Anders Somby hat in seiner Diplomarbeit (4) "Med harmonier og melodi i samme hånd" (Mit Harmonien und Melodie in einer Hand) versucht, Roberts Stil der späten Jahre zu analysieren im Zusammenhang mit "dem beinahe ausgestorbenen Gitarrenrhythmusstil" der 30er-Jahre in den USA.
Die letzten Jahre verbrachte Robert zusammen mit seiner Gunvor in Kvastebyen. Seinen 80. Geburtstag feierte er mit seiner Familie, Freunden und Künstlern, die Schlange standen, um den Jubilar vor dem proppenvollen Folkets Hus in Sarpsborg zu ehren. Die Hauptperson blieb jedoch zu Hause.
Autor: Jon Larsen, März 2000
Der Autor Jon Larsen, der übrigens Gitarrist bei Hot Club de Norvège ist, hat Robert Normann und seine Musik seit Ende der 70er-Jahre studiert.
Quellen: Gunvor und Robert Normann, Eddy Normann, Jan Evensmo, Johs Bergh, Bjørn Stendahl, Finn Westbye, Fred Lange-Nielsen, Rolf Nilsen, Anders Somby, Svend Asmussen, Arne Bendiksen, Kjell Karlsen, Bjørn Igeland, Randi Hultin und Øystein Ringstad.
Fußnoten;
(1) Carl Gustav Normann, ursprünglich schwedisch, war Steinmetz und Kinomusiker (Laute und Gitarre). Ca. 1905 leitete er das Sarpsborg Streichtrio. Es gibt einen schwedischen Zweig der Familie, mit einem Ronny Normann.
(2) Märtha, Gjertrud, Thorbjørn und Robert. Edgar Normann meint, dass es da möglicherweise noch eine Schwester gab.
(3) Produziert von Hot Club Records und herausgegeben von Frost Forlag as.
(4) Universität Oslo, Herbst 2001.
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